aus Aachener Zeitung vom 05.03.2026
Der Dedenborner Heimatforscher und frühere Lehrer Günter Krings wird für seinen Einsatz für regionale Geschichte, Naturschutz und Sprachpflege mit dem Rheinlandtaler in der Kategorie Kultur geehrt.
Günter Krings aus Dedenborn befasst sich intensiv mit Naturschutz und Nachforschungen zur Heimatgeschichte. Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliche Engagement wurde er jetzt mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet. Foto: Peter Stollenwerk
Der „Oscar“ wird für besondere Leistungen in der Filmindustrie verliehen, der „Bambi“ ist einer der wichtigsten Preise in der Fernsehlandschaft, und den Rheinlandtaler“ erhalten Personen, die sich um die kulturelle Entwicklung im Rheinland verdient gemacht haben. Während man sich bei „Oscar“ und „Bambi“ hin und wieder fragt, welchen schöpferischen Nachweis die Ausgezeichneten denn nun tatsächlich erbringen können, muss man sich den Rheinlandtaler ausnahmslos durch ausdauerndes und konsequentes Engagement verdienen.
Die seit 1976 existierende regionale Auszeichnung erhielten in den zurückliegenden 50 Jahren rund 1500 Personen aus NRW, und seit April 2026 darf sich auch Günter Krings aus Dedenborn zu den stolzen Preisträgern zählen. Der 86-jährige nahm die Auszeichnung in der Kategorie „Kultur“ im Kreis von rund 30 Gästen kürzlich im Sitzungssaal des Monschauer Rathauses entgegen. „Ich war völlig überrascht, als ich den Preis erblickte, weil ich dachte, dass man mir eine Medaille um den Hals hängt“, erzählt Günter Krings lachend. Mit nach Hause nahm er dagegen eine rund 2,5 Kilogramm schwere Trophäe aus Glas und Metall in minimalistisch-futuristischer Gestaltung. Diese hat seit 2019 die bis dahin verliehene Bronze-Plakette abgelöst.
Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat Günter Krings für sein ehrenamtliches Wirken den Rheinlandtaler verliehen. In der Begründung heißt es: „Krings engagiert sich in vielfältiger Weise in der Heimatforschung, dem Naturschutz und der Landschaftspflege. Er forscht zur regionalen Geschichte und Natur, veröffentlicht seine Erkenntnisse regelmäßig und hält Vorträge, um das ‚Eifeler Platt‘ als regionale Mundart lebendig zu erhalten. Als Zeitungs- und Buchautor hat er Plattgeschichten aus dem Monschauer Land sowie zahlreiche alte Fotos veröffentlicht, die sich der Landwirtschaft, dem kirchlichen Leben und einfachen Alltagsbegebenheiten widmen. Neben der Geschichte und der Sprachpflege engagiert sich Krings in der Vogelbeobachtung im Monschauer Land und bietet unter anderem regelmäßige Exkursionen an.“
Die Laudatio und Verleihung des Rheinlandtalers an Günter Krings erfolgte durch Karin Schmitt-Promny, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland. Foto: Krings
Der Verleihung zugrunde lag ein einstimmiger Vorschlag durch die Arbeitsgemeinschaft der Heimatvereine des Monschauer Landes, der das Verfahren bereits vor zwei Jahren auf den Weg gebracht hatte.
Vor rund 60 Jahren hatte Günter Krings, von Beruf Lehrer, damit begonnen, sich mit der Ornithologie zu beschäftigen, und systematisch alle Erkenntnisse aus der heimischen Vogelwelt in Beobachtungstagebüchern notiert. „Damit nichts verloren geht“, wie er sagt. Später folgten dann regelmäßige Veröffentlichungen im „Heimatkalender“.
Vom Lehrling zum Lehrer
Günter Krings wurde am 18. April 1940 in Konzen geboren. Nach dem achtjährigen Besuch der Volksschule Konzen begann er eine Lehre bei der Lammersdorfer Firma Junker in der Gießerei als Former. Er wechselte 1956 zu den Steyler Patres nach Geilenkirchen ins dortige Aufbau-Gymnasium mit Internat. Nach dem Schulabschluss nahm Günter Krings ein dreijähriges Lehrerstudium an der Pädagogik-Hochschule in Aachen auf. Seine erste Lehrerstelle führte ihn 1965 an die Volksschule Steckenborn. Mit der Schulreform wechselte er 1968 zur neuen Hauptschule Simmerath, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1997 unterrichtete.
Immer ging es Günter Krings darum, der nicht gerne viel Aufhebens um seine Tätigkeit macht, „Dinge, die drohen verloren zu gehen, für die Nachwelt zu erhalten“. Nach seiner für ihn bedeutendsten Arbeit der zurückliegenden Jahrzehnte gefragt, nennt Günter Krings ganz klar seine Forschungen zur Familiengeschichte, die sich in beiden Ortsfamilienbüchern für seinen Geburtsort Konzen und das Nachbardorf Imgenbroich dokumentieren. Er vertiefte sich in 13-jähriger Arbeit in Kirchenbücher und Stammbäume, legte fast 4000 Familienkarten an, und digitalisierte in mühevoller Kleinarbeit 44.000 Datensätze. Die beiden bereits in mehrfacher Auflage erschienenen Bücher aktualisiert er gelegentlich auch heute noch.
Diese enorme Datenmenge bildete auch die Grundlage für die Erstellung weiterer Statistiken für die beiden Orte. So betrug beispielsweise im 18. Jahrhundert das Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung in Konzen und Imgenbroich gerade einmal 20,2 Jahre. Rechnet man die verstorbenen Kinder unter einem Alter von zehn Jahren aus der Statistik heraus, kommt man auch nur auf einen aus heutiger Sicht vergleichsweise geringen Durchschnitt von 48,2 Jahren.
Seiner Leidenschaft für die Heimatgeschichte möchte er auch weiterhin treu bleiben. „Ich habe noch viele Pläne“, sagt Günter Krings und hofft darauf, dass noch in diesem Jahr ein gemeinsam mit Ernst Palm konzipiertes Buch des Eifelvereins über alte Konzener Häuser erscheinen wird. Es geht um historische Häuser, die bis 1909 gestanden haben. Die Bestandserfassung ist zwar nicht ganz lückenlos, aber 148 Häuser und ihre Bewohner sollen in dem Bildband erfasst werden. Zugrunde liegt auch bei diesem Projekt wiederum die Motivation, von dem Vergessen bedrohte regionale Geschichte zu erhalten und für die Zukunft festzuhalten.